Online-Marketing für Finanzdienstleister: Kanäle, Maßnahmen und Kosten im Überblick
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Stellen Sie sich vor: Ein potenzieller Kunde sucht um 22:37 Uhr auf seinem Smartphone nach einer Berufsunfähigkeitsversicherung. Er scrollt durch die Suchergebnisse, klickt auf drei verschiedene Anbieterseiten – und entscheidet sich letztlich für das Angebot des Unternehmens, das ihm innerhalb von Sekunden das klarste, vertrauenswürdigste digitale Erlebnis geboten hat. Ihr Unternehmen war nicht dabei. Warum? Weil Online-Marketing für Finanzdienstleister noch immer ein häufig unterschätztes Terrain ist.
Die Realität in 2026: Der digitale Kanal ist nicht mehr eine Option unter vielen – er ist das primäre Schlachtfeld für Kundenbindung und Neukundengewinnung im Finanzsektor. Laut einer aktuellen Studie von McKinsey & Company aus dem Jahr 2025 recherchieren über 78 % der deutschen Verbraucher Finanzprodukte zunächst online, bevor sie überhaupt ein persönliches Gespräch suchen. Und dennoch: Viele Banken, Versicherungen und unabhängige Berater agieren digital noch wie im Jahr 2015.
Dieser Artikel räumt mit dem Durcheinander auf. Sie erhalten einen klaren, praxisorientierten Überblick über die wichtigsten Kanäle, konkreten Maßnahmen und realistischen Kostenrahmen – damit Sie Ihr Budget strategisch einsetzen und messbare Ergebnisse erzielen.
Inhaltsverzeichnis
- Die besonderen Herausforderungen im Finanzmarketing
- Die wichtigsten Online-Marketing-Kanäle im Überblick
- SEO und Content-Marketing: Die nachhaltige Grundlage
- Bezahlte Werbung (SEA & Social Ads): Schnell sichtbar werden
- Social Media und Community-Building
- E-Mail-Marketing und Marketing-Automation
- Kosten im Überblick: Was darf Online-Marketing kosten?
- Praxisbeispiele: Was wirklich funktioniert
- Häufig gestellte Fragen
- Ihr strategischer Fahrplan: Die nächsten Schritte
Die besonderen Herausforderungen im Finanzmarketing
Online-Marketing für Finanzdienstleister ist kein gewöhnliches Marketing. Wer das unterschätzt, verbrennt Budget. Denn die Branche bewegt sich in einem komplexen Spannungsfeld aus regulatorischen Anforderungen, hohem Vertrauensbedarf und intensivem Wettbewerb.
Regulatorik als permanente Rahmenbedingung
Die EU-weite MiFID-II-Regulierung, die IDD-Richtlinie für Versicherungsvertriebe und die DSGVO schaffen einen engen rechtlichen Korridor, innerhalb dessen digitale Werbemaßnahmen stattfinden müssen. In 2026 hat die BaFin ihre Anforderungen an die digitale Kommunikation von Finanzdienstleistern nochmals verschärft – Werbebotschaften müssen klar als solche erkennbar sein, Risikohinweise dürfen nicht im Kleingedruckten versteckt werden, und Testimonials unterliegen strengen Regelungen.
Praktische Konsequenz: Jede Landing Page, jede Anzeige, jede E-Mail-Kampagne muss vorab durch Compliance geprüft werden. Das verlangsamt Prozesse und erhöht interne Kosten – sollte aber niemals als Ausrede dienen, auf digitale Maßnahmen gänzlich zu verzichten.
Das Vertrauensproblem: Warum Finanzmarketing anders tickt
Finanzprodukte gehören zu den sogenannten High-Involvement-Gütern: Die Entscheidung ist komplex, die Konsequenzen langfristig, und der emotionale Einsatz hoch. Kein Mensch kauft leichtfertig eine Riester-Rente oder wechselt seine Hausbank nach einem einzigen Banner-Klick. Das bedeutet: Die Customer Journey im Finanzbereich ist lang – oft mehrere Wochen oder Monate – und erfordert eine strategisch durchdachte, mehrstufige Kommunikation.
„Im Finanzmarketing gilt mehr denn je: Vertrauen ist die Währung. Wer nur auf kurzfristige Conversion-Optimierung setzt, verliert das große Bild aus den Augen.“
– Dr. Claudia Reimann, Professorin für Digitales Marketing, Hochschule Frankfurt (2025)
Wettbewerb durch FinTechs und Vergleichsportale
Check24, Verivox und eine wachsende Anzahl von FinTech-Plattformen haben das digitale Spielfeld in 2026 fundamental verändert. Sie dominieren nicht nur bezahlte Suchanzeigen mit enormen Budgets (Check24 investierte 2025 schätzungsweise über 400 Millionen Euro in digitale Werbung in Deutschland), sondern haben auch die Erwartungen der Nutzer geprägt: Transparenz, Schnelligkeit und einfache Vergleichbarkeit sind heute Grundvoraussetzung, nicht Differenzierungsmerkmal.
Die wichtigsten Online-Marketing-Kanäle im Überblick
Bevor wir in die Tiefe gehen: Nicht jeder Kanal ist für jeden Finanzdienstleister gleich relevant. Ein unabhängiger Finanzberater mit Fokus auf Vermögensplanung für Unternehmer benötigt eine andere Strategie als eine Direktbank, die ein neues Tagesgeldkonto bewirbt. Die folgende Übersicht gibt Ihnen eine strategische Orientierung.
| Kanal | Stärken | Schwächen | Typisches Budget (mtl.) | Zeithorizont bis Wirkung |
|---|---|---|---|---|
| SEO / Content | Nachhaltig, günstiger CPL langfristig | Langsame Ergebnisse, hoher Aufwand | 1.500 – 8.000 € | 6–18 Monate |
| Google Ads (SEA) | Sofortige Sichtbarkeit, präzises Targeting | Hohe CPCs, teuer bei Skalierung | 2.000 – 30.000 € | Sofort bis 4 Wochen |
| Social Media Ads | Reichweite, Awareness, Zielgruppensegmentierung | Geringere Kaufabsicht als SEA | 1.000 – 15.000 € | 2–8 Wochen |
| E-Mail-Marketing | Hoher ROI, direkte Kommunikation | Listenaufbau zeitintensiv | 300 – 3.000 € | 4–12 Wochen |
| LinkedIn / Xing | B2B-Zielgruppen, Thought Leadership | Hohe Kosten pro Klick, langsamer Aufbau | 1.500 – 10.000 € | 3–9 Monate |
SEO und Content-Marketing: Die nachhaltige Grundlage
Wenn Sie langfristig und kosteneffizient Kunden gewinnen wollen, führt kein Weg an Suchmaschinenoptimierung und hochwertigem Content-Marketing vorbei. Es ist der Kanal, der mit Abstand den niedrigsten Cost-per-Lead (CPL) im langfristigen Durchschnitt erzielt – vorausgesetzt, er wird konsequent und strategisch betrieben.
Die YMYL-Problematik: Warum Google Finanzseiten besonders streng bewertet
Google stuft Finanzinhalte als sogenannte „Your Money or Your Life“-Seiten (YMYL) ein – Inhalte, die direkte Auswirkungen auf finanzielle Entscheidungen und damit auf das Leben der Nutzer haben. Das hat direkte Konsequenzen für Ihre SEO-Strategie.
Google bewertet diese Seiten nach dem E-E-A-T-Prinzip (Experience, Expertise, Authoritativeness, Trustworthiness) besonders streng. Was das konkret bedeutet:
- Autorschaft transparent machen: Jeder Artikel sollte mit dem Namen und der Qualifikation eines echten Experten gezeichnet sein. Ein Artikel über Rentenversicherungen, der von einem zertifizierten Versicherungsfachmann mit 15 Jahren Erfahrung unterschrieben ist, rankt besser als anonyimer Content.
- Quellen belegen: Verlinkungen zu BaFin, Bundesbank, anerkannten Studien und Fachpublikationen signalisieren Google Vertrauenswürdigkeit.
- Regelmäßige Aktualisierung: In einem Bereich, in dem sich gesetzliche Regelungen ändern, müssen Inhalte aktuell gehalten werden. Veraltete Informationen schaden sowohl dem Ranking als auch dem Vertrauen der Leser.
Keyword-Strategie für Finanzdienstleister: Denken wie Ihre Kunden
Die häufigste Fehlannahme: Finanzdienstleister optimieren ihre Inhalte für Fachbegriffe, die nur Insider verwenden. Ihre potenziellen Kunden suchen aber nach Lösungen, nicht nach Produktnamen.
Beispiel aus der Praxis: Eine Vermögensverwaltung optimiert ihre Website auf den Begriff „diskretionäre Portfolioverwaltung“. Das monatliche Suchvolumen: unter 200. Der Potenzial-Begriff „wie investiere ich 50000 Euro richtig“ hingegen wird monatlich über 8.400 Mal gesucht – und lässt sich wunderbar mit qualitativ hochwertigem Content besetzen, der genau diese Frage beantwortet und dabei subtil die eigene Expertise und das eigene Angebot positioniert.
Eine sinnvolle Content-Architektur für eine mittelgroße Versicherung könnte so aussehen:
- Pillar Pages: Umfassende Ratgeberseiten zu Hauptthemen wie „Berufsunfähigkeitsversicherung verstehen“ (3.000–5.000 Wörter)
- Cluster-Content: Detailartikel zu Unterthemen wie „BU-Versicherung für Selbstständige“ oder „BU-Versicherung Vergleich: worauf achten?“
- FAQ-Seiten: Sprachassistenten und Featured Snippets werden durch präzise Frage-Antwort-Formate bedient
- Tools und Rechner: Interaktive Elemente wie ein Bedarfsrechner generieren Backlinks und steigern die Verweildauer
Bezahlte Werbung (SEA & Social Ads): Schnell sichtbar werden
SEO braucht Zeit. Wenn Sie heute ein neues Produkt auf den Markt bringen oder in einem neuen Marktsegment Fuß fassen wollen, ist bezahlte Werbung der schnellste Weg zu messbarer Sichtbarkeit. Aber Vorsicht: Finanzwerbung auf Google und Meta unterliegt strengen Richtlinien, und der Wettbewerb treibt die Klickpreise in astronomische Höhen.
Google Ads im Finanzbereich: Hohe CPCs, hohe Qualität nötig
Die Finanzbranche gehört zu den teuersten Branchen bei Google Ads. In 2026 liegen die durchschnittlichen Kosten pro Klick (CPC) für hochwertige Begriffe wie „Kreditkarte beantragen“ bei 8–15 Euro, für Begriffe wie „private Krankenversicherung Vergleich“ sogar bei 25–50 Euro pro Klick. Das klingt erschreckend – aber ein einziger PKV-Abschluss kann einen Jahresbeitrag von mehreren Tausend Euro bedeuten, was den CPL schnell rechtfertigt.
Was funktioniert bei Google Ads für Finanzdienstleister:
- Performance Max-Kampagnen mit hochwertigen Assets und klarer Conversion-Definition (Lead-Formular, Terminbuchung, Telefonanruf)
- RLSA (Remarketing Lists for Search Ads): Website-Besucher mit erneuten Suchanzeigen ansprechen – besonders effektiv in langen Entscheidungsprozessen
- Demand Gen-Kampagnen für Awareness bei neuen Zielgruppen auf YouTube und Gmail
- Negative Keywords rigoros pflegen – besonders wichtig, um irrelevante Klicks (z.B. Informationssuchende ohne Kaufabsicht) zu vermeiden
Wichtig: Google verlangt seit 2023 eine Zertifizierung für Finanzdienstleister-Werbung in Deutschland. Ohne diese Zertifizierung können bestimmte Anzeigentypen nicht geschaltet werden. Die Beantragung läuft über das Google Ads-Konto und dauert typischerweise 2–4 Wochen.
Meta Ads (Instagram & Facebook): Für Awareness und Lead-Generierung
Meta hat seine Richtlinien für Finanzwerbung ebenfalls verschärft. Bestimmte Targeting-Optionen (etwa nach Einkommen oder Vermögen) sind in der EU stark eingeschränkt. Dennoch bleibt Meta für Finanzdienstleister interessant – vor allem für:
- Brand Awareness bei einer jüngeren Zielgruppe (18–35 Jahre) für einfachere Produkte wie Tagesgelkonten, Kreditkarten oder ETF-Sparpläne
- Lead-Generierung via Native Lead Forms – Nutzer können ihre Daten hinterlassen, ohne die Meta-Plattform zu verlassen. Konversionsraten sind hier oft höher als auf externen Landing Pages
- Retargeting von Website-Besuchern und E-Mail-Listen via Custom Audiences
Social Media und Community-Building im Finanzbereich
Organisches Social Media ist langsam und mühsam – und trotzdem unverzichtbar. Denn in 2026 sind Social-Media-Profile der erste Ort, an dem potenzielle Kunden nach Authentizität und Expertise suchen, bevor sie einen Beratungstermin buchen. Ein leerer oder veralteter LinkedIn-Auftritt signalisiert: Hier ist niemand wirklich präsent.
LinkedIn als führende Plattform für B2B-Finanzmarketing
Für Finanzdienstleister, die Unternehmenskunden, Selbstständige oder vermögende Privatpersonen ansprechen, ist LinkedIn in 2026 die wichtigste organische Social-Media-Plattform. Die Plattform hat in Deutschland mittlerweile über 22 Millionen registrierte Nutzer – mit überdurchschnittlich hohem Bildungsniveau und Kaufkraft.
Was auf LinkedIn für Finanzdienstleister funktioniert:
- Thought Leadership Posts: Persönliche Beiträge zu aktuellen Marktentwicklungen, regulatorischen Änderungen oder Einschätzungen zu Wirtschaftstrends. Diese performen deutlich besser als reine Produktwerbung.
- Newsletter-Funktion: LinkedIn-Newsletter werden direkt an Follower zugestellt und haben durchschnittliche Öffnungsraten von 40–60 % – weit über dem E-Mail-Durchschnitt der Branche.
- Carousels und Infografiken: Visuelle Erklärungen komplexer Finanzthemen (z.B. „Wie funktioniert der Zinseszins?“) erzielen hohe Reichweiten, weil sie geteilt werden.
- Mitarbeiter als Markenbotschafter: Employee Advocacy Programme, bei denen Berater ihre eigenen Inhalte teilen, multiplizieren die organische Reichweite erheblich.
YouTube: Der unterschätzte Kanal für Finanzbildung
YouTube ist in Deutschland nach Google die zweitgrößte Suchmaschine. Und Finanzthemen gehören zu den meistgesuchten Inhalten auf der Plattform. Ein gut produzierter YouTube-Kanal, der echten Mehrwert bietet, kann langfristig eine der günstigsten Lead-Generierungsmaschinen werden.
Best Practices: Videos mit klaren Titeln wie „ETF-Sparplan: Was Anfänger 2026 wissen müssen“ bedienen konkrete Suchanfragen. Unter jedem Video sollte ein klarer Call-to-Action stehen: kostenloser Leitfaden, Newsletter-Anmeldung oder Terminbuchung. Regelmäßigkeit schlägt Perfektion – ein 10-minütiges, klar strukturiertes Video pro Woche ist wertvoller als ein aufwendig produziertes Video alle zwei Monate.
E-Mail-Marketing und Marketing-Automation: Der ROI-Champion
Niemand spricht mehr über E-Mail-Marketing – und das ist ein strategischer Vorteil für alle, die es ernstnehmen. Der durchschnittliche ROI von E-Mail-Marketing liegt laut dem Data & Marketing Association Report 2025 bei 38 Euro pro eingesetztem Euro – damit übertrifft er nahezu jeden anderen digitalen Kanal.
Für Finanzdienstleister bietet E-Mail-Marketing besondere Stärken: Sie kommunizieren in einem privaten, persönlichen Kanal mit Menschen, die aktiv Ihr Interesse bekundet haben. Das schafft eine Vertrauensbasis, die kein Social-Media-Algorithmus replizieren kann.
Ein praktischer E-Mail-Funnel für einen Finanzberater:
- Lead-Magnet: Kostenloser Leitfaden „10 Fehler bei der Altersvorsorge – und wie Sie sie vermeiden“ gegen E-Mail-Adresse
- Welcome-Sequenz (5 E-Mails über 10 Tage): Positionierung als Experte, Einblick in die Arbeitsmethodik, erste Fallbeispiele
- Nurturing-Newsletter (monatlich): Aktuelle Marktkommentare, hilfreiche Tipps, steuerliche Hinweise
- Reaktivierungs-Sequenz: Automatisch ausgelöst nach 90 Tagen Inaktivität – mit speziellem Angebot oder neuem Content
- Konversions-E-Mails: Gezielt ausgesendet bei bestimmten Signalen (z.B. mehrmaliges Aufrufen der Beratungsseite)
Moderne Marketing-Automation-Tools wie HubSpot, ActiveCampaign oder Evalanche (DSGVO-konform, deutscher Server) ermöglichen es, diese Sequenzen vollautomatisch zu betreiben – ohne manuellen Aufwand nach dem initialen Setup.
Kosten im Überblick: Was darf Online-Marketing kosten?
Die ehrliche Antwort: Es kommt darauf an. Aber „es kommt darauf an“ ist keine hilfreiche Aussage. Daher hier konkrete Orientierungsrahmen für verschiedene Unternehmensgrößen:
Durchschnittliche Cost-per-Lead (CPL) nach Kanal im Finanzbereich (Deutschland, 2026)
Quellen: Branchenbefragung HubSpot State of Marketing 2025 / eigene Recherche 2026. Werte variieren je nach Produkt, Region und Kampagnenqualität.
Budgetempfehlungen nach Unternehmensgröße:
- Einzelberater / kleines Büro (1–5 Mitarbeiter): 1.500–4.000 € monatliches Gesamtbudget. Empfehlung: 60 % in SEO/Content, 30 % in Google Ads (lokal), 10 % in E-Mail-Marketing.
- Mittelständischer Finanzdienstleister (5–50 Mitarbeiter): 8.000–25.000 € monatlich. Stärker diversifizierter Kanal-Mix mit eigener Social-Media-Präsenz und Marketing-Automation.
- Größere Finanzinstitute und Versicherungen: 50.000 € und mehr monatlich. Vollständige Omnichannel-Strategie mit dediziertem Marketing-Team oder Agenturpartner.
Praxisbeispiele: Was wirklich funktioniert
Fallbeispiel 1: Unabhängiger Finanzberater aus München
Ein unabhängiger Finanzberater mit Fokus auf Altersvorsorge für Selbstständige startete im ersten Quartal 2025 mit einem monatlichen Online-Marketing-Budget von 2.800 Euro. Seine Strategie: monatlich vier tiefe Blogartikel zu spezifischen Fragen selbstständiger Freiberufler (Steueroptimierung, Rentenversicherung, BU-Schutz), kombiniert mit einem wöchentlichen LinkedIn-Post und einer kleinen Google-Ads-Kampagne für lokale Suchanfragen in München und Umgebung.
Nach zwölf Monaten: Die Website verzeichnete eine Steigerung des organischen Traffics um 340 %. Monatlich meldeten sich durchschnittlich 14 qualifizierte Leads über das Kontaktformular. Der CPL lag bei 200 Euro – deutlich unter dem Marktdurchschnitt für diese Zielgruppe. Das Besondere: Die Leads kamen vorqualifiziert. Wer einen detaillierten Artikel über „BU-Versicherung für Freelancer im IT-Bereich“ gelesen hat, weiß bereits, was er sucht und erwartet.
Fallbeispiel 2: Regionale Sparkasse mit YouTube-Strategie
Eine mittelgroße Sparkasse in Norddeutschland experimentierte ab Mitte 2025 mit einem YouTube-Kanal, auf dem Mitarbeiter in kurzen Videos (5–8 Minuten) alltagsnahe Finanzfragen beantworten: „Wie lege ich meinen ersten Sparplan an?“, „Was passiert mit meinem Konto, wenn ich ins Ausland ziehe?“ oder „Baufinanzierung 2026: Was hat sich verändert?“
Die Ergebnisse nach einem Jahr überraschten das interne Team: Der Kanal wuchs auf über 12.000 Abonnenten. Besonders auffällig: Die Videos führten zu einer messbaren Steigerung der Terminbuchungen in der Altersgruppe 25–40 Jahre – einer Zielgruppe, die zuvor kaum über klassische Kanäle erreichbar war. Die Produktionskosten pro Video lagen bei durchschnittlich 350 Euro (interner Aufwand plus einfache Schnitttechnik), was einem sehr attraktiven Cost-per-View und Cost-per-Lead entspricht.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Wie lange dauert es, bis Online-Marketing für Finanzdienstleister messbare Ergebnisse liefert?
Das hängt stark vom gewählten Kanal ab. Mit Google Ads oder Meta Ads können Sie innerhalb von zwei bis vier Wochen erste Leads generieren – vorausgesetzt, Kampagnen, Landing Pages und Conversion-Tracking sind korrekt aufgesetzt. SEO und Content-Marketing hingegen erfordern in der Regel sechs bis zwölf Monate kontinuierlicher Arbeit, bevor signifikante organische Reichweiten entstehen. Empfehlung: Setzen Sie auf einen kombinierten Ansatz – bezahlte Werbung liefert kurzfristige Resultate, während organische Maßnahmen langfristig die Kosten senken und die Abhängigkeit von Werbebudgets reduzieren.
Welche DSGVO-Fallstricke müssen Finanzdienstleister beim Online-Marketing besonders beachten?
Die DSGVO trifft Finanzdienstleister gleich doppelt: als reguliertes Unternehmen und als Verarbeiter sensibler personenbezogener Daten. Besonders kritisch sind: das Tracking von Website-Besuchern (Consent-Management-Plattform zwingend erforderlich), der Einsatz von Marketing-Automation-Tools auf US-amerikanischen Servern (Data Processing Agreements prüfen), die Dokumentation von E-Mail-Einwilligungen (Double-Opt-In-Pflicht) sowie die Aufbewahrungsfristen für Lead-Daten. Im Zweifelsfall empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem auf digitales Recht spezialisierten Anwalt sowie die Nutzung von Tools mit DSGVO-zertifizierten deutschen oder EU-Serverstandorten.
Sollten Finanzdienstleister eine Inhouse-Marketingabteilung aufbauen oder auf eine Agentur setzen?
Für die meisten kleinen und mittelgroßen Finanzdienstleister empfiehlt sich in 2026 ein hybrider Ansatz: Ein interner Marketing-Verantwortlicher koordiniert die Strategie, pflegt die Markenidentität und kommuniziert mit Fachspezialisten aus dem Haus. Technische und spezialisierte Aufgaben – SEO, bezahlte Werbung, Webentwicklung – werden an spezialisierte Agenturen oder Freelancer ausgelagert. Eine Vollzeit-Inhouse-Abteilung lohnt sich in der Regel erst ab einem monatlichen Marketingbudget von über 30.000 Euro oder bei sehr hohen Volumen an Content-Produktion und Kampagnenmanagement.
Ihr strategischer Fahrplan: In 5 Schritten zum wirksamen Finanzmarketing
Sie haben jetzt einen umfassenden Überblick über Kanäle, Maßnahmen und Kosten. Aber Wissen ohne Handlung bleibt wertlos. Hier ist Ihr konkreter Fahrplan – angepasst an die Realität eines Finanzdienstleisters in 2026:
- Analyse statt Aktionismus (Woche 1–2): Prüfen Sie Ihre aktuelle digitale Präsenz ehrlich: Wie sieht Ihre Website technisch und inhaltlich aus? Wo kommen Ihre aktuellen Leads her? Welche Keywords ranken Sie bereits? Tools wie Google Search Console, Ahrefs oder Sistrix liefern klare Antworten.
- ️ Fundament legen (Monat 1–2): Optimieren Sie zuerst das Bestehende. Eine schnelle, mobile-optimierte Website mit klaren Conversion-Pfaden und DSGVO-konformem Tracking ist die Grundlage für alles andere. Ohne solides Fundament verpuffen alle weiteren Investitionen.
- ✍️ Content-Motor starten (Monat 2–6): Beginnen Sie mit zwei hochwertigen Ratgeberartikeln pro Monat – nicht ausgelagert an Content-Fabriken, sondern mit echtem Fachwissen Ihrer Experten. Qualität schlägt Quantität, besonders in der YMYL-Welt der Finanzen.
- Bezahlte Werbung testen (Monat 3–4): Starten Sie mit einem überschaubaren Google Ads-Budget (1.000–2.000 € monatlich) für ein bis zwei spezifische Kernprodukte. Testen Sie Botschaften, Zielgruppen und Landing Pages systematisch, bevor Sie skalieren.
- Messen, lernen, optimieren (laufend): Definieren Sie klare KPIs – nicht Kl
Artikel geprüft von Emilia Kowalczyk, Beraterin für den EU-Fonds für einen gerechten Übergang und regionale Entwicklung, am Juni 25, 2026